Ein Gebäude für die ARD

Berlin-Mitte als Standort stellt den Anspruch an die Architektur des Gebäudes, den städtischen Kontext aufzugreifen und der Bedeutung sowie dem Charakter der Medieninstitution ARD gerecht zu werden.

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Die Architekten

Aus dem internationalen Architekten-Wettbewerb für das Hauptstadtstudio der ARD ging aus neun Bewerbern das Architekturbüro Ortner & Ortner Baukunst als Sieger hervor. Der Entwurf des österreichischen Brüderpaares gewann aufgrund seines städtebaulichen Ansatzes sowie der hohen Flexibilität und der architektonischen Qualität im Innern des Gebäudes.

So besticht das ARD-Hauptstadtstudio nicht mit aufgesetzten Applikationen und Zeichen. Nicht Technikeuphorie wird ausgestellt, sondern ein ruhiges Gehäuse, das seine technischen Möglichkeiten nicht nach außen zeigen muss. Große Selbstverständlichkeit und gelassene Einprägsamkeit, gepaart mit einer stillen Kraft, zeichnen den mehrstöckigen Bau aus.

Einbindung in den städtebaulichen Kontext

Das städtebauliche Konzept des Gebäudes fußt auf einer traditionellen Blockergänzung: Dem Spreebogen folgend und in die Wilhelmstraße abknickend, ergänzt das ARD-Hauptstadtstudio den bestehenden Block des ehemaligen Physikalischen Instituts, der heute zur Humboldt-Universität zu Berlin gehört. Am Reichstagufer wird der Übergang vom alten Gebäudekopf zur neuen Bebauung durch einen niedrigeren Bauteil – das Wohngebäude – deutlich unterschieden.

Materialität und Farbigkeit des Gebäudes nehmen durch warme terrakottafarbene Betonteile, Holz und Glas Bezug zum umliegenden Baubestand. Jedoch mit zeitgemäßer Eigenständigkeit: Selbstbewußt, doch ohne Überheblichkeit, zeigt sich das Haus seinem Betrachter.

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Das Haus als Werkzeug der Kommunikation

Die Redaktionshalle  Großansicht
Die Redaktionshalle

Der Innenraum des ARD-Hauptstadtstudios unterteilt sich in vielfältige Räume, die jede Art von Öffentlichkeit und Repräsentation genauso ermöglichen wie das zurückgezogene Arbeiten. Die Redaktionshalle als viergeschössiges, verglastes Herzstück des Hauses verbindet die beiden Baukörper, in denen sich die Redaktionsbüros und Studioräume befinden. Kommunikative Atmosphäre wird auch durch das Tageslicht bestimmt: Es fällt über das Glasdach ein, spiegelt und bricht sich in den Gläsern der Brüstungen, Brücken und Konferenzräume.

Das magische Auge  Großansicht
Das magische Auge

Das über Eck gesetzte Panoramafenster im Fernsehstudio A, das sogenannte "Magische Auge", bildet einen markanten Einschnitt ins Gebäude. Wie ein Schaufenster zieht es die Blicke von außen an und ermöglicht ebenso den beobachtenden Blick nach draußen zum Regierungsbezirk – dem Gebiet der journalistischen Berichterstattung.

Meinungen zur Architektur

''Das ARD-Hauptstadtstudio ist ein Bauwerk, das wie keine andere Einrichtung der ARD das Gemeinsame und das Eigenständige der großen öffentlich-rechtlichen Senderfamilie repräsentiert,'' so der ehemalige SWR-Intendant Peter Voß.

Bei der Vorstellung des fertigen Baus sagte Prof. Voß weiter: "Mit der geschichtsträchtigen Adresse Wilhelmstraße 67 a ist es viel mehr als nur ein Ort, von dem aus der ''Bericht aus Berlin'' gesendet wird; es verkörpert gelebten deutschen Rundfunkföderalismus im besten Sinne.''

Interview mit dem Architekten Manfred Ortner

Jürgen Tietz im Tagesspiegel-Artikel "Poesie in Sichtbeton"

''Mit der Fassade ihres ARD-Hauptstadtstudios am Reichstagufer tritt das Architekturbüro Ortner & Ortner Baukunst zusammen mit Hanns-Peter Wulf den Beweis an, dass man dem guten alten Beton eine geradezu poetische Qualität abringen kann.''

''Zu den besonderen Qualitäten des Neubaus gehört seine Fähigkeit, sich trotz seiner innovativen Formensprache in das von Paul Spieker Endes des 19. Jahrhunderts errichtete Ensemble der technisch-naturwissenschaftlichen Institute der Berliner Universität einzupassen. Mit seiner terrakottaroten Fassade orientiert sich das ARD-Hauptstadtstudio am Farbton der angrenzenden Altbauten des Schinkelschülers.''

"(Im Innern) verschlägt es dem Besucher den Atem. Gläserne Brücken, die für die interne Verbindung zwischen den beiden Gebäudeflügeln sorgen, kreuzen den sich trichterförmig weitenden Raum. An der Rückseite ragen gläserne Besprechungsräume in den Lichthof hinein. Den Clou aber bilden die 120 Zentimeter breiten und 330 Zentimeter hohen Paneele aus golden schimmernder Messingtresse. Sie sind an den laubengangartigen Galerien vor den Büros und Studios befestigt. Mit ihren flirrenden Lichtreflexen verleihen sie dem Raum fast schon eine barocke Pracht und süffige Lust an der Farbe. Das Spiel aus Licht und Material schafft eine in der Ratio-dominierten Architektur Berlins all zu oft entbehrte Atmosphäre von Sinnlichkeit."

WDR-Intendant Fritz Pleitgen beim Richtfest

"Die ARD hat sich für ein starkes Hauptstadtstudio entschieden. Das ist gut für die Gemeinschaft und auch gut für Berlin. [...] Wer hier einzieht, sollte wissen, in welchem geschichtlichen Umfeld dieses Gebäude - zwischen Reichstag und Humboldt-Universität - steht. Wohin nationalistischer Größenwahn führt, ist heute noch an den Einschüssen in den umliegenden Häusern zu erkennen."

© ARD-Hauptstadtstudio Berlin