In Bonn war die ARD von Anfang an dabei

Als am 23. Mai 1949 im Parlamentarischen Rat in Bonn das Grundgesetz unterzeichnet wurde, war NWDR-Reporter Hans Jesse bereits live für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf Sendung.

In den ersten Jahren war der Rundfunk im Bundestag bei großen Debatten selbstverständlich live dabei: erst das Radio, ab 1953 auch das Fernsehen.

Die Abgeordneten sahen in den Parlamentsübertragungen eine Chance, das demokratieunerfahrene Publikum mit den parlamentarischen Spielregeln vertraut zu machen.

Unterzeichnung des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat in Bonn am 23. Mai 1949

Die 50er Jahre: Ausschluss der Medien

Mitte der 50er Jahre begann sich das Blatt zu wenden: Die Medien wurden jetzt pauschal für eine offensichtlich schwindende Akzeptanz der Bonner Politik in der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Die Abgeordneten zögerten nicht, das Fernsehen aus dem Bundestag zu verbannen - im Jahr 1957 zunächst mit Hinweis auf den laufenden Wahlkampf, später dann grundsätzlich. Auch die Radioreporter mussten draußen bleiben. Bis 1962 wurde keine einzige Parlamentssitzung mehr im Rundfunk übertragen.

Seit den 60er Jahren: Wieder mit dabei

Erst Mitte der 60er Jahre hob der Bundestag das Verbot wieder auf: Das Fernsehen hatte mittlerweile ein Millionenpublikum, das die Politiker nicht länger vernachlässigen wollten. Bei den dramatischen Bonner Ereignissen im Frühjahr 1972 - Streit um Ostverträge, gescheitertes Misstrauensvotum gegen Brandt - war das Fernsehen zum ersten Mal das allgegenwärtige Primär-Medium - bei Parlamentsdebatten, vor den Fraktionssälen, in der Lobby, auf den Gängen. Während der stundenlangen Live-Übertragungen aus dem Bundeshaus umlagerten ganze Pulks von Reportern und Kameraleuten jeden Politiker, den es zu fassen gab. So etwas hatte es in Bonn noch nicht gegeben. So klagte denn auch Günter Gaus im "Spiegel", das ehrwürdige Parlament sei "zur bloßen Fernsehkulisse verkommen", zu "einem Unterhaltungs-Etablissement mit Tanz auf allen Korridoren". Er konstatierte eine "Verflachung der Politik auf den primitivsten Augenschein".

Die 70er Jahre hindurch blieben die Bundestagsbilder schwarz-weiß. Erst im September 1979 wurde zum ersten Mal eine Sitzung in Farbe übertragen. Bundestagspräsident Richard Stücklen gab der Hoffnung Ausdruck, "dass die Abgeordneten sich künftig so kleiden, dass sie auch in Farbe ein gutes Bild abgeben".

Mehr als drei Jahrzehnte "Bericht aus Bonn"

Ab 1963 wurde der "Bericht aus Bonn" gesendet. 36 Jahre schrieb das politische Fernsehmagazin Freitag für Freitag aktuelle Zeitgeschichte.

Der jeweilige Leiter des Bonner WDR-Studios zeichnete auch für den "Bericht aus Bonn" verantwortlich. Im Laufe der Jahre entstand das Magazin unter der Federführung von:

1963 - 1964 Ernst Weisenfeld
1964 - 1965 Helmut Hammerschmidt
1965 - 1969 Günter Müggenburg
1970 - 1973 Gerd Ruge
1973 - 1985 Friedrich Nowottny
1985 - 1995 Ernst Dieter Lueg
1995 - 1999 Martin Schulze

Die 90er Jahre und der Umzug der Regierung

Lange wurde in Deutschland über die Frage des künftigen Regierungssitzes diskutiert. Nach einer ganztägigen Bundestagsdebatte gab die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth am Abend des 20. Juni 1991 um 21.48 Uhr das Ergebnis der dritten und entscheidenen Abstimmung bekannt. Es lautete: "Berlin".

Berichterstattung aus Berlin  Großansicht
Berichterstattung aus Berlin

Mit dem Umzug der Regierung nach Berlin und dem Sitz des ARD-Hauptstadtstudios in der neuen Hauptstadt fand auch der "Bericht aus Bonn" seinen Nachfolger: Seit Mai 1999 kommt das Magazin als "Bericht aus Berlin" aus dem Fernsehstudio in der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte. Von September 2004 bis März 2005 lief die Sendung unter dem Dach der "Tagesthemen" als "Tagesthemen mit Bericht aus Berlin".

Nach dem anfänglichen Sendeplatz am Freitagabend hat das Magazin seit März 2005 seinen festen Sendeplatz als ''Bericht aus Berlin'' am Sonntag um 18.30 Uhr. Es wird im großen Fernsehstudio des ARD-Hauptstadtstudios produziert.

Rita Süßmuth verkündet das Abstimmungsergebnis zum Regierungsumzug

Bericht aus Berlin

Bericht aus Berlin

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