Studio Bonn

TV-Pionierzeit in Bonn: Zitate von Günter Müggenburg, Leiter WDR-Studio Bonn

"Wir hatten viele Kenntnisse und Verbindungen, internationale Erfahrungen und Kontakte nach überall hin. Nur von dem, was wir machen sollten, hatten wir überhaupt keine Ahnung: Fernsehen."

"Von Elektronik war noch keine Rede, der Film war angesagt. Redaktionsschluss für die Berichte der Tagesschau war 16 Uhr. Dann ging der Film nach Köln, wurde bearbeitet und mit dem Flugzeug nach Hamburg gebracht. Oder das Material ging unentwickelt gleich an die Kollegen in Hamburg. Den Transport übernahmen junge Motorradfahrer, deren Rekord von Bonn-Godesberg nach Köln bei 16 Minuten lag. So schnelle Radargeräte gab es damals noch nicht."

"Etwas später wurde die Arbeit leichter, wir bekamen elektronische Kameras, u. a. fest eingebaut im Bundestag. Da wir noch keine eigenen Aufzeichnungsmaschinen hatten, wurde aus Köln ein MAZ [= Magnetische Bildaufzeichnung]-Wagen abgestellt und fest mit dem Studio verbunden, so dass wir immer aufzeichnen konnten. Zu unserer Überraschung erreichte uns schon bald die Weisung, der Wagen müsse sofort wieder nach Köln zurück, da er bei uns offensichtlich nicht gebraucht werde. Er mache ja keine Kilometer! Ausgelastet sei ein Wagen nur, wenn er - Fahrten, Auf- und Abbau mit eingerechnet - täglich etwa 200 Kilometer fahren würde. Ich erklärte die Lage und schlug vor, den Wagen morgens abzuklemmen, ihn zwanzigmal zwischen Godesberg und Köln hin und her fahren zu lassen und dann wieder anzuschließen. Eine Antwort ist nie gekommen."

© ARD-Hauptstadtstudio Berlin