Cage d'escalier von Veronika Kellndorfer

Die Arbeit ''Cage d'escalier'' schaltet sich direkt in die Rhythmik der Architektur ein: Siebdrucke auf Glas ziehen sich durch das dritte und vierte Geschoss.

In den Glasgängen der Redaktionshalle findet sich das Fotomotiv zweifach aufgenommen und neu montiert. Es stammt aus einem neapolitanischen Postamt der zwanziger Jahre und zeigt die gekurvte Brüstung einer Treppe. Man nimmt sie weniger als Raumverlauf denn als abstrakten Schwung wahr. Sie verläuft hell abgegrenzt vor einem Hintergrund, der durch die Grauabstufungen in der Tiefe variiert. Es entsteht der Eindruck, als würde eine räumliche Dimension am Betrachter vorüberziehen, als befinde er sich vor einem alten Filmstill.

Die Arbeit nimmt die Schichten und Fluchtlinien der Architektur auf und spiegelt sie zurück. Sie korrespondiert mit den Qualitäten der Halle, die mit ihren Gängen und Stegen, mit den gläsernen Wänden und Brüstungen sowie den Messingpaneelen viele Schichten und Durchlässigkeiten aufweist. Diese gelangen simultan zur Geltung mit den Passanten, die sie durchlaufen.

Die Schattengestalten in der Treppenbiegung von Kellndorfers Motiv sind wie ein Echo dieser Passanten.

Die Arbeitsweise der Künstlerin

Die Künstlerin Veronika Kellndorfer fotografiert Architektur und montiert Ansichten und Ausschnitte mit Siebdruck auf Glas. Sie integriert ihre Tableaus in Bauten und verändert dadurch deren Räumlichkeit. So schafft sie bildnerische Einblicke und reflektiert die Transparenz der Architektur, beispielsweise in Durchgängen und Fensterbereichen. Ihre Ansichten antworten auf die Schichten und Strukturen der architektonischen Konstruktion. Dadurch, dass sie historische Architektur reflektiert, zieht eine zweite Zeitebene in die zeitgenössischen Bauten ein.

© ARD-Hauptstadtstudio Berlin